Die Unsichtbaren unter den Sichtbaren – „Fake“-Diskussionen, Aufmerksamkeitskrisen und Leidwettkämpfe als alternative zur Verschwörungstheorie

Die Reaktionen auf meinen letzten Beitrag haben mich vielfältig bewegt. Ich habe ihn in der Intention verfasst, auf Betroffene organisierter und ritualisierter Gewalt aufmerksam zu machen, die nicht in der Lage sind in ihrer persönlichen Lebenssituation in irgendeiner Form an der öffentlichen Meinungsbildung mitzuwirken und sich eine Lobby zu erkämpfen. Opfer, die nicht eigenständig in der Lage sind sich zumindest ein Stückweit vom Täterkreis zu distanzieren und irgendwann von sich aus auf Hilfsangebote zuzukommen, fallen gesellschaftlich völlig durchs Raster. Sie werden mit ihren spezifischen Bedürfnissen und dem Hilfebedarf gar nicht erst in einer Diskussion sichtbar. Sie sind die schwächsten der Schwachen und werden völlig fallen gelassen. Das ist ein Misstand, den ich so nicht tolerierbar finde und der aus meiner Sicht Aufmerksamkeit braucht! Insofern erlebe ich die Möglichkeit an einer Debatte teilzunehmen, sichtbar zu werden und seine Meinung zu äußern tatsächlich als Privileg, das mir und einigen anderen Opfern zur Verfügung steht, um etwas an unserer Situation und vielleicht auch an der Situation der „Unsichtbaren“ zu ändern. Soweit sprechen zu können, muss man nämlich in organisierten Täterkreisen erst einmal kommen. Was ich enorm schade finde, ist, dass sich ein kleines Grüppchen von anderen Betroffenen offenbar einen Zacken aus der Krone bricht, wenn man diesen Fakt benennt und als Reaktion mit Leidwettkämpfen und Glaubwürdigkeitsdiskussionen Nebenkriegsschauplätze eröffnen, die vielleicht ihrer Aufmerksamkeit dienen, aber nicht dem extrem ernsten Hintergrund. Statt in den Schulterschluss zu gehen und sich zu fragen, was wir gemeinsam öffentlich für diejenigen bewirken können, die nicht in der Lage sind sich zu helfen, versucht man sie wieder vom Brett zu stoßen, weil ihre Existenz ängstigt und das eigene Leid schmälern könnte. Ein Stück weit widert mich diese Selbstgefälligkeit und Ignoranz für die Not anderer gerade tatsächlich auch an.

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Die Unsichtbaren unter den Sichtbaren – Rituelle Gewalt, Mind Control und Dissoziative Identitätsstörung

Wir hatten eine mehr als schwierige Nacht. Sommersonnenwende. Vieles geht uns durch den Kopf. Bilder und Erinnerungen an alte Zeiten und die Umstände in denen wir lebten und leben. Stille Betrachtungen unseres Lebens, des Ausstiegs und all den Folgen. Gedanken zum Heute und zu dem was inzwischen auch gesellschaftlich über rituelle Gewaltstrukturen bekannt ist. Ärzte, Therapeuten und wissenschaftliche Studien haben einiges dafür getan, um die Not ihrer Patienten sichtbar und belegbar zu machen. Dafür sind wir sehr dankbar! Noch vor einigen Jahren war es fast unmöglich Informationen, Betroffenenwebsites und Blogs zum Thema zu finden. Inzwischen wachsen sie vor allem auf Social-Media-Plattformen aus allen Ecken mit sämtlichen Vor- und Nachteilen. Manches davon sehen wir enorm kritisch, weil es die Öffentlichkeitswahrnehmung der Thematik aus unserer Perspektive ungünstig verzerrt. Bei all den Publikationen, Posts und Profilen gibt es immer noch die Unsichtbaren unter den Sichtbaren. Ihnen wollen wir diesen Beitrag widmen.

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Lauer Sommerabend und lebendige Liebe

Die Erde riecht feucht. Um uns breitet sich ein stiller Raum aus. Die Vögel zwitschern und ein sanftes Lüftchen bewegt den Abend. Für den Augenblick scheint alles einzufrieren. Die Geräusche sind da und doch sind sie nicht mit einer Empfindung von Lautstärke verbunden. Vielmehr werden sie immer mehr Teil der Ruhe. Mein Dämmerungsmoment scheint frei im Raum zu schweben, unabhängig von Zeit. Ich bin einfach teil und nehme meinen Platz darin ein. Die Hitze des Tages besänftigt sich langsam und webt sich ein in diesen Ausklang. Ich schließe die Augen. Mit einem tiefen Atemzug beginne ich den Zauber des Augenblicks in mich aufzunehmen. Seine blinde Essenz. Eine Präsenz die nicht nach offensichtlichem fragt. Stattdessen fühlt sie ihre Wahrheit.

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Umgang mit Schmerzen nach extremen Gewalterfahrungen – Dissoziative Identitätsstörung und kPTBS

Ich hatte in den letzten Tagen nach einer notfallmäßigen OP Gelegenheit mich nochmal eingehend mit dem Thema Schmerzen auseinanderzusetzen. 😏 Bei dissoziativen Störungen gibt es im Kern zwei Wahrnehmungsbereiche die zum Problem werden können: Entweder man spürt Schmerzen gar nicht, so dass sie ihre Warnfunktion nicht mehr ausführen können oder sie werden verstärkt wahrgenommen, so dass auch schon verhältnismäßig kleine Irritationen einen um den Verstand bringen können. Viele Betroffene kennen beide Zustände im Wechselspiel.

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Meisenstreit und Abendwolken

Das Weiß der Wolken ist an der Basis in ein eigenartiges Grau getunkt. Es ist nicht so, als käme Regen und doch stellt es das blaue strahlen in Frage. Ich blicke nach oben. Schnell ziehen sie dahin. Während mir hier unten in der Sommerschwüle das T-Shirt an der leicht schweißfeuchten Haut klebt, scheint dort der Wind zu wehen. Die Zeit schwindet dahin. Ich bin um nicht einmal 21.00 Uhr so müde, dass mir beim Schreiben fast die Augen zufallen. Ein anstrengender Tag. Während sie Katze schnurrt und die Tauben ihr Abendlied gurren, lass ich den Tag Revue passieren. Drinnen läuft Wasser in die Gießkanne. Die letzten Arbeiten des Tages gehen mir mit schweren Gliedern von der Hand.

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Seelische Erkrankungen – Wenn es nicht um wollen geht

Ich sitze im Schneidersitz auf dem Balkon. Es wird bereits frisch. Die Pflanzen atmen auf nach einem künstlichen Regenguss aus der Gießkanne. Manche lassen geschafft die Köpfchen hängen. Sich wieder aufrichten nach auszehrender Anstrengung – das wünsche ich mir. Für sie und für uns. Am noch blauen Abendhimmel wird ungewöhnlicher Weise bereits Frau Luna sichtbar. Vögel zwitschern ihr Abendlied. Gedanken kommen und gehen.

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Alles für die Bindung – Todesnäheerfahrungen und Alltagspersonen

In traumatischen Stresssituationen gerät das autonome Nervensystem in extreme Ausnahmezustände, die dem Überleben dienen. Im Konzept der strukturellen Dissoziation werden diese Zustände als emotionale Persönlichkeitsanteile (EP) benannt. Sie tragen die zum Trauma gehörigen Informationen und Gefühle. Doch wie entstehen eigentlich die anscheinend normalen Persönlichkeitsanteile (ANPs), also die Alltagspersonen?

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Drang Erinnerungen durchzuarbeiten und Lücken zu schließen – Ausdruck von abgespaltener Aggression!?

Ich sitze auf meinem Balkonsessel und denke so ins Unreine vor mich hin. Vor inzwischen über 10 Jahren bekamen wir erstmalig die DIS-Diagnose und machten uns auf den Heilungsweg. Vieles war unklar und die Erinnerung mehr als nur Lückenhaft. Die traumatisch bedingte Amnesie machte uns sehr zu schaffen. Wir hatten gerade am Anfang einen unglaublichen Drang diese Lücken schließen zu wollen und standen doch immer wieder nur vor dieser großen schwarzen Wand. „Wer hat uns was genau angetan!?“, quälte uns als zentrale Frage. Die Puzzelteile, die in meinem Alltagsgedächtnis erhalten waren, zeichneten zwar ein grobes Bild und doch war mir das zu wenig. Ich hatte das Gefühl es genau wissen zu wollen und zu müssen. Da, hinter dieser Mauer im Gehirn, schien ein wichtiger Teil meiner Identität verborgen. In mir bohrte die fixe Idee nicht eher heilen zu können, bevor ich all die grausamen Details kannte, um sie dann abzuschließen.

Einerseits ist es für jeden Menschen wichtig seine Geschichte zu kennen. Erlebnisse und Erfahrungen prägen unsere Persönlichkeit. Die Suche nach Erinnerungen beinhaltet immer auch die Frage: „Wer bin ich und wie bin ich so geworden?“ Es gibt viele Beweggründe, im Innen und in der Erinnerung zu forschen. In diesem Beitrag möchte ich allerdings nur einen ganz bestimmten Aspekt meiner Reise nach innen vertiefen, der mir erst rückbilckend in den letzten Tagen immer mehr bewusst wird. Inwiefern war die ruhelose Suche und Arbeit im Innen Ausdruck von Aggression gegen die Täter?

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Prävention von sexuellem Missbrauch oder Reaktion auf Täter

Prävention ist eine gute und wichtige Sache, wenn wir über den Schutz vor Gewalt und sexuellem Missbrauch reden! Es gibt viele Fachstellen, die hervorragende Arbeit zum Thema leisten. Wichtig scheint mir aber immer wieder zu reflektieren, was wir mit den ergriffenen Maßnahmen eigentlich tun.

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Kritik: Nein-sagen ist keine Prävention gegen sexuellen Missbrauch!

Wir lesen und hören immer wieder, dass in Projekten in Kindergärten und Schulen Workshops für Kinder angeboten werden, in denen sie lernen sollen Nein zu sagen und ihre Körpergrenzen zu schützen. Bezeichnet wird das Angebot dann als „Präventionsarbeit vor sexuellem Missbrauch“. Ich halte dieses Signal für extrem schwierig und für mit Vorsicht zu genießen!

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