Herzstillstand

Es ist Nachts.
Ich schrecke aus dem Schlaf hoch, in den ich erst etwa eine dreiviertel Stunde zuvor gefallen war.
Mein Herz steht still.
Ich versuche zu atmen, hoffe in Panik, dass es wieder anfangen möge zu schlagen.
Doch mit dem Herzen steht auch die Zeit.
Es stolpert nicht.
Es bewegt sich einfach nicht mehr.
Mein Brustkorb krampft.
Mir wird schwarz vor Augen.
Eingefroren.
Bange Sekunden die wie Stunden wirken.
Dann atme ich und der Zustand ist vorbei.
Mehrmals wiederholt sich die Situation, bis ich mitten in der Nacht zum Telefon greife und meine Freundin anrufe.
„Muss ich jetzt sterben?“, frage ich und sie fängt an mich zu beruhigen.
„Nein, musst du nicht. Du wirst leben.“
Ich versuche mich zu beruhigen.
Es ist nicht das erste Mal, dass ich das so erlebe. Medizinisch gibt es keine Erklärung dafür.
Die Angst, wenn mich diese Zustände unangekündigt überfallen, wird dennoch nicht weniger.
Ich frage mich, wieso sie kommen und weshalb diese Nacht.
Der Körper erinnert sich.
Mein Wissen dazu schweigt.
Was bleibt ist ein banges Gefühl.
Ein „Ich werde sterben, wenn mich niemand widerbelebt“.
Die Symptome machen mir Angst. Nicht die Angst das Symptom.
Irgendwann werde ich auch das in der Therapie verstehen und lösen – so hoffe ich.
Dann kann der Verstand verstehen, was der Körper schon so lange weiß und die Kinder heilen, die so lange ungesehen waren.

Herzeis im Aprilschnee

Zarte Schneeflocken taumeln vom grauen Aprilhimmel und bedecken mit weiß-wässriger Schicht das zarte Grün und die roten Tulpen und die gelben Narzissen und alles was schon angefangen hatte zu leben unter ihrer schmelzrig, fragilen Eisigkeit. Die feinen hellen Triebspitzen der Bäume scheinen sich nicht über das Kalt zu wundern, mit dem sie begrüßt werden. Von Zeit zu Zeit schütteln sie sich ein bisschen im Wetterschauspiel und schaffen sich damit Platz unterm Schneematsch, der plump zu Boden fällt und sich von dort aus überlegt, ober er nun ganz tauen mag oder in seiner weißklumpigen Gestalt noch etwas auf der Erde verweilt.
Hinter den Wolken sieht es nach Sonne aus und unter dem Schnee nach grünem Leben.
Meint man.
Wir fühlen uns etwas wie die zarten Pflänzchen im Garten, die gerade voll Mut damit begonnen hatten ihre Spitzchen doch wieder wachsen zu lassen und darauf hofften, dass jetzt die Sonne und das Leben kommt.
Es war Urlaub, es war frei, es gab Zeit, Menschen und Situationen, die uns wie die Sonne waren, die uns aus unserer Hülle lockte. Die Seele atmete schrittweise erst kleine, dann größere Luftzüge und vergaß dabei zeitweiße das erstickende Blau, das der Alltag und die Erinnerungen ihr oft überzogen. Sie lachte.
Beim Augenaufschlag heute Morgen war dann plötzlich alles anders.
Wie das Wetter.
Der Tag begann mit einem „Ich kann nicht mehr“.
Um unser Herz war es, als hätten uns die Schneeflocken mitten in die Seele geschneit und fröstelnd alles Lebendige zugedeckt. Das Bunt der letzten Tage in uns schien plötzlich grau wie der Himmel.
Tränentropfende Einsamkeit lag auf unserer Gefühlswelt.
Nichts macht Sinn, alle haben uns vergessen, keiner mag uns…
Unser Zustand ebenso wenig erklärbar, wie die Wetterwechsel im April.
Innere Getriebenheit.
Wir fühlen nicht nur einfach so, wir können gar nicht anders.
Wenn Emotionen plötzlich umschwenken und in uns nicht weichen wollen, trotz aller logischer Erklärungen aus der Gegenwart, trotz allem gesehen werden, trotz aller Ablenkung und wir dennoch das Gefühl haben, wir zerfetzten an einem Umstand, ist allzu oft das Trauma am Werk.
Gerade weiß ich nicht, was es in uns diesmal hat schneien lassen und den Wintereinbruch im Frühjahr brachte.
Ich weiß, dass Ostern ist, dass ich geträumt habe, ehe ich aufgewacht bin, wenn auch nicht mehr genau was und dass die Vergangenheit heute mit Bildern und Emotionen sehr eindrücklich an unsere Gegenwartstür klopft.
Ich weiß, dass wir bei allem was wir erlebt haben oft Schwierigkeiten mit unserer Umwelt haben und manche Dinge einfach nicht gut können.
Genau so ist es aber auch die Umwelt, die uns beeinflusst und es uns oft schwer und manchmal auch leichter macht.
Allzu oft ist es nicht leicht dann abzuschätzen, ob der Auslöser in uns oder im Außen, allein in der Vergangenheit oder in der Gegenwart oder in beidem liegt.
Vielleicht ist das aber auch gar nicht so wichtig, weil ohnehin alles zusammenwirkt.
Heilung heißt wohl auch in guter Beziehung zu sein.
Die Wolken werden nie ihr Potenzial verlieren es schneien zu lassen, auch nicht im Sommer. Ein Stück tragen sie die Tropfen in ihnen am Himmel entlang. Der Rest liegt an der Umwelt und was sie daraus macht.

Du hast…

…mich mit dem Herzen verstanden.
…mit deinem Verstand meine Gedanken ergänzt.
…mir zugehört.
…meine Tränen getrocknet.
…mit mir zusammen gelacht.
…deine Gefühle mit mir geteilt
…und ich meine mit dir.
…mit mir geredet.
…mit mir geschwiegen.
…mit mir gestritten.
…dich wieder versöhnt.
…mich an deinem Leben teil haben lassen.
…mich ausgehalten.
…mich gehalten.
…mit mir gespielt wie ein Kind.
…die Welt verändert.
…mir die Augen geöffnet.
…meine Hand gehalten.
…dich von mir halten lassen.
…dich in meine Arme fallen lassen.
…mir Mut gemacht.
…mit mir die Nacht erhellt und Sterne ins Dunkel gezaubert.
…den Tag gefeiert.
…mir vertraut.
…dich an mich angelehnt.
…meinen Rat geschätzt.
…mir gezeigt, dass ich ich selbst sein darf.
…mir erlaubt schwach zu sein.
…meine Stärken gepuscht.
…an mich geglaubt und ich an dich
…und an unsere Freundschaft.
…mir Liebe geschenkt.
Ich liebe dich!
Du hast mein Herz mit deinem als Freundin ergänzt. ❤

© Copyrigth by „Sofies viele Welten“

Karfreitag mit Holundersekt

Es ist Karfreitag.
Mal wieder.
Diesmal haben wir vorgesorgt.
Die kollektive Tristesse und Selbstkasteiung, die sich bei vielen gläubigen Christen aus unserer Umgebung über den Tag legt, machen wir nicht mit. Dennoch triggert sie.
Traurigkeiten gibt es in unserem Leben schon genug. Im Jahr 2017 lassen wir uns nicht mehr vorschreiben, wann wir etwas zu tun und zu lassen haben, schon gar nicht von einer Religion.
Die Emotionen sind aufgewühlt.
Lange genug haben wir um diese Feiertage gehungert, weil wir damit auf die bevorstehenden Rituale vorbereitet wurden.
Heute Morgen gab es Kakao für die Kleinen.
Später ein Glas Holundersekt für uns alle.
Wir haben überlebt.
Wie leben.
Und das tun wir so, wie wir es wollen! 🙂

Grüner Tee und grüner Bärlauch

© Copyright by „Sofies viele Welten“

Wir haben gemeinsam die Wildnis durchstreift entlang an kleinen blühenden Bächchen auf der Suche nach dem grünen Bären, der sich derzeit mal wieder, wie jedes Frühjahr, in schattigen, feuchten Laubwaldgebieten sichten lässt.
Stark, mutig, gemütlich und echte Genießer sind seine tierischen Namensgeber, zu denen der Mensch lange jeden normalen Bezug verloren hat. Die Cheyenne-Indianer sagen, dass die Bären oft sehr nahe wären, wenn sie im Wald essbare Pflanzen sammeln. Teilweise so dicht, dass man sie schmatzen höre, wenn sie sich mit Obst ihre Wintervorräte anfräßen. Ungemütlich würden Sie nur, wenn man ihre Würde verletze und ihren Vortritt missachte oder sie Angstgeruch der Menschen wahrnehmen würden. Dann nämlich bekämen sie selbst Angst und wehren sich.
In ihren Sagen ist der Bär der kräuterkundige Frühlingsbringer, der im Frühjahr das Licht der Sonne neu begrüßt und um die Wirkung der Pflanzen und Kräuter weiß, mit denen er auch seinen eigenen Organismus nach dem langem Winterschlaf optimal in Schwung bringt. So frisst er auch den Bärlauch, um seinen Darm zu reinigen, zu entgiften und die Verdauungssäfte anzuregen.
Der charakteristische Duft der Bärlauchpflanze war für unsere keltische Vorfahren das erlösende Zeichen den Winter bezwungen und den Sieg des Lebens über den Tod errungen zu haben.
Tatsächlich können die grünen Blätter auch einiges für unsere Gesundheit tun.
Als Entgiftungsmittel ist der Bärlauch lange bekannt. In Verbindung mit Zink und Vitamin C spült er im Frühjahr die Schlacken und Schwermetalle aus dem Körper. Seine ätherischen Öle, regen Magensäfte und Galle an, erneuern und regenerieren die Darmflora und wirken krampflösend. Er senkt Blutdruck und Blutfettwerte, hemmt die Blutgerinnung und kann dadurch auch bei Herz- und Gefäßkrankheiten unterstützen. Insgesamt stärkt Bärlauch unsere Abwehrkräfte, kann Krebserkrankungen vorbeugen, hilft gegen Pilzerkrankungen und wirkt antibakteriell.
Das Frühlingsallroundtalent sollte also derzeit auf dem Speiseplan nicht fehlen.
Selbst sammeln sollte man allerdings nur, wenn man ihn sicher von giftigen Pflanzen wie Maiglöckchen oder Herbstzeitlose unterscheiden kann.

Bei uns hat der Bärlauch den Weg ins Glas als Pesto gefunden.
Da wir aufgrund von Allergien und einer entzündlichen Darmerkrankung nicht alles vertragen, sind die Zutaten für das Pesto sehr spärlich. Der frische Bärlauch, Olivenöl und etwas Salz reichen uns aber völlig um einen wohlschmeckenden Brotaufstrich herzustellen.

Grüner Tee und grüner Bärlauch.
Unser heute sehr gelungener Start in den Tag. 🙂

Hinweis: Die hier eingestellten Informationen können den Rat einer kompetenten Fachperson nicht ersetzen. Hierfür ist ein Arzt oder Heilpraktiker des Vertrauens aufzusuchen. Für Schäden oder Folgen, die sich aus dem Gebrauch oder Missbrauch der hier eingestellten Informationen ergeben, wird keine Haftung übernommen!

Quellen: Storl Wolf-Dieter, Das Herz und seine heilenden Pflanzen, Baden und München 2009, 3. Auflage, S. 134 – 137

Osterwochendienstag

Kaum war die letzte Woche geschafft und der Osterurlaub erreicht, sind wir auch schon mitten drin im Feiertagsregen.
Wir merken wie es im Innen arbeitet, auch wenn wir versuchen uns im Außen mit Angenehmen zu beschäftigen.
Gut, dass die Sonne scheint. Das tut dem Gemüt und den verspannten Muskeln gut, die nach den wärmenden Strahlen lechzen.
In der milchigen Frühe jetzt ein paar aktuelle Gedanken für den Blog zusammenreimen und sie möglichst sortiert zu einem Beitrag abfischen. Wir fischen im Nebel, denn nicht nur der Morgen ist milchig, sondern auch die spinnfädenartig, dissoziationsumwobenen Gedankenräume, durch die das aufgehende Sonnenlicht nur schwerlich ins Innere fällt. Die Bewegungen sind lansam, die Welt traumhaft, unser Sein eingefroren. Dennoch bleiben von Zeit zu Zeit an der Synapsenangel Worte und Satzteile hängen, die sich für Aussagesätze eignen und zusammensetzen lassen.
In der Vorstellung geht alles schneller, als es ist.
Zähneputzen, anziehen, losgehen.
Tagesplan:
Arzt.
Frühstück.
Freundin.
Bei mir selbst ankommen.
Im Triggerblitzlichtgewitter erhellen Lichtspots Szenen der Erinnerung an Ostern, Feiertage und das Drumherum.
Unverständliches, Unaussprechliches, Ungeheuerliches.
Es ist dennoch wahr.
Oft wird erwartet, dass Überlebende schnell damit umgehen lernen und darüber hinwegkommen und wenn wir es tun, dann „kommen wir gut damit klar“ und Außenstehende sind zufrieden.
Trauer ist mir in diesen Tagen oft ein echtes Bedürfnis. Egal wie lange etwas her ist. Gut mit etwas klar zu kommen, heißt für mich, dass ich mir meine Bedürfnisse diesbezüglich mittlerweile, so gut ich kann, erlaube und nicht, sie so zu beschneiden, dass andere glücklich sind.
Es gibt so viele Dinge, die betrauert werden müssen und wenn das Lachen auch an diesen Tagen zurück kommen soll, dann müssen Tränen darüber fließen dürfen.

Migränestopp

Es ist Sonntag Nachmittag.
Bereits seit heute Vormittag habe ich starke Migräne.
Angefangen hat alles kurz nach dem Frühstück.
Die Augen gaukelten Lichtblitze vor und selbst die umgehend eingeworfene Schmerztablette, verhinderte nicht die bald dazukommenden heftigen Kopfschmerzen mit Übelkeit.
Nun sitze ich hier am offenen Fenster mit heruntergelassenen Rollläden, weil die Helligkeit des Tages unerträglich ist, ich aber die frische Luft brauche.
In meinem Kopf ist Energiestau und in die Tasten des Computers fließen Worte, die ich kaum sehe, die ich aber dennoch schreiben will.
Im schmerzhaft pochenden Kopf stoßen bittere Wahrheiten gegen die empfindlich gereizten Schmerzsynapsen und lässen mir die Realität unserer Vergangenheit bewusst sein.
Ich wäre so gerne belastbarer.
Die letzten Tage und Wochen waren einfach zu viel.
Ich wollte so gerne nach den Sternen greifen und hab dabei übersehen, dass es für die Folterrealität in mir zu schnell geht.
Dass die Schritte zu Groß sind, weil sie in der Form noch überfordern und Heilung für uns anders aussehen muss.
Ich habe vergessen mich und die anderen mitzunehmen.
Die Migräne bremst und zwingt mich, zu stillen Momenten auf dem Sofa.
Egal, ob ich möchte oder nicht.
Egal, ob heute die Sonne scheint.
Egal, ob ich noch so viel zu erledigen hätte oder nicht…
Sie schmerzt.
Genau wie mein Innerstes.
Es wird Zeit, mir selbst über die Wange zu streicheln, mich in den Arm zu nehmen und mich bei mir selbst und den anderen zu entschuldigen.
„Es tut mir leid, dass ich euch übersehen habe.“

Der Frühlingsbote

Der Frühlingsbote

Der Frühlingsvogel singt in hellen Tönen,
Der Sonne lichtem Strahl entgegen.
Er zwitschert, pfeift und tirilliert,
Der, die das Leben uns gebirt.

So kündet an die hellen Tage
Des Federboten Lustgesang
Und Fruchtbarkeit grüßt in den Landen,
Wo Licht den Winter nun bezwang.

Es sprießen Knosp‘ und Gräselein
Und zart die Lüftlein wehen.
So weichen Eis und Wintergram,
Dass Neues kann entstehen.

Und wie die Wärme uns erfreut
Und Frost und Kälte schwinden,
Eröffnet eure Herzen weit,
Um selber euch zu finden.

Im zarten Frühlingsfarbenspiel
Darf Altes nun sich neigen
Und neues blühend wie die Knosp‘
Sich winden in den Reigen.

© Copyright by „Sofies viele Welten“