OSDD – Die neue DDNOS

Im amerikanischen Diagnosehandbuch DSM-5 ist die DDNOS-Diagnose (Dissociative Disorder not otherwise specified) durch das Symptomcluster der OSDD (Other specified dissociativ Disorder) ersetzt worden. Aus einem unspezifischen Komplex von dissoziativen Symptomen ist nun also sprachlich ein spezifisches Muster entstanden. Das alleine fanden wir schon einen spannenden Sprung. Für den deutschsprachigen Raum ändert das zwar nichts, denn im hier verbindlichen ICD-10 existiert der Diagnoseschlüssel nicht und auch im ICD-11 wird er nicht enthalten sein, trotzdem fanden wir es interessant uns einmal genauer damit auseinanderzusetzen.

Weiterlesen

Werbeanzeigen

Roman variabel entlassen

“Ach, Roman…“, dachte ich bei mir und erwischte mich sogleich bei sentimentalen Gedankenspielereien. Als wir uns vor vielen Jahren kennenlernten, war er ein stolzer Mann gewesen. Er griff nach den Sternen und legte sie mir zu Füßen. Seinem Blick wohnte ein geheimnisvoller Zauber inne, der mich in den kältesten Momenten so einhüllte, als würde die dickste Kuscheldecke mich samten betten. Es mag im Leben viele Ungewissheiten geben, an unserer Liebe jedoch ist nichts variabel. Vor einigen Monaten hat Roman seinen Job verloren. Sein Chef musste ihm kündigen. Seitdem ist er dünner geworden, verkroch sich mehr und mehr in ein Schneckenhaus und sah bald nur noch wie ein magerer Schatten aus, der sich vor mir und der Welt immer mehr verschloss. Die Fassade von Leistung und Ansehen bröckelte. Seine innere Wüste trat hingegen mehr und mehr zum Vorschein. Nie hatte er gelernt, seine eigenen Werte zu finden und sich selbst zu lieben. An diesem frischen Septembermorgen durchfährt mich ein eigenartiger Schauer, wenn ich an Ihn denke. Eben noch habe ich ihm vom Fenster aus nachgeblickt, als er die Straße zum Auto hinunterlief. Kaffeegeruch stieg mir in die Nase und ich habe mich an der Tasse festgehalten, so fest, als wollte ich still für mich sagen: „Mein Herz, mein Herz… Es hat dich nie entlassen. Es kennt dich als Mensch.“

Die Schreibprojekte und Ideen von Christiane findet ihr hier. Unter dem Beitrag dort sind auch andere kreative Etüden verlinkt, die obige Begriffe enthalten. Vielleicht habt ihr ja Lust auch mal vorbeizuschauen und mitzumachen. 😊

Die Vertrauensprüfung *triggert*

Knie dich hin mein Kind und schweige.
Schließ die Augen fest und zeige,
dass du auf Gott allein willst bauen,
deine Seele wird vertrauen
und geduldig still ertragen,
was ich tu in seinem Namen.

Öffne Mund und deine Ohren,
denn du bist von Ihm erkoren.
Hier im Kreise unsrer Brüder
hallen deine Schwüre wieder.
Vertrauen, ehren und gehorchen
sollst du mich in deinen Worten.
So sprich und tu nun, was ich sag,
ohne Angst und ohne Frag‘.

Gib dich hin, Kind, und nimm an,
den Segen den ich spenden kann
und der in diesem Ritual
dich würdig macht durch Pein und Qual.

Über deine Haut will streicheln
und deiner Scham mit Küssen schmeicheln,
bevor ich auf dem Rücken liegend
in dich dringe Schwur versiegelnd,
dich zu meinem Eigen mache,
machtvoll schmunzelnd zu dir lache
und du ganz ruhig zu mir sprichst:

„Ich will dich achten und verehren,
dir Frau sein und dein Kind gebären
und über all das werd‘ ich schweigen,
niemandem die Schmerzen zeigen.
Im tiefsten Innern werd ich wahren,
Geheimnisse der Bruderscharen.
Niemals wird mein Mund mehr sprechen,
sonst wird sich mit dem Tode rächen
der Herr und Meister, Seth, die Schlange,
den ich durch dich nun hier empfange.“

Die Folter ging noch etwas weiter,
am Ende war man froh und heiter.
Blind folgte sie und er verlangte,
während sie um ihr Leben bangte.
Alles hat sie ohne Zucken
und ohne weiter aufzumucken
verinnerlicht und übernommen,
die Kindheit hat man ihr genommen,
die Seel‘ stattdessen neu bepflanzt
mit Sektenhorrorarroganz.

No Drama Lama

Hier sitze ich nun in meinem großen Sessel und schlecke mit meiner kleinen inneren Lamaherde ein Eis. 😉 Beim Einkaufen hat eine Stimme in meinem Kopf sich diese Abkühlung gewünscht. Plötzlich scheint auch in meiner Welt alles überhaupt kein Drama zu sein. Es ist fast so, als wäre es völlig Normal hier mit den Innens zur Ruhe zu kommen. Für einen Moment schweigen die inneren Kritiker. Sie sind froh um Wasser und Nahrung. Nur zwischendrin durchzuckt mich immer wieder für eine Millisekunde ein ganz komisch, schmerzliches Gefühl, als hätte der Wolf mich in einem unachtsamen Moment in den Hintern gebissen oder ins Herz.

Weiterlesen

Selbsthass

Das Resümee des Tages ist ebenso einfach wie verheerend. Wir hassen uns, diesen Körper, jede Zelle, unser Sein. Die Gründe sind plausibel, wenn auch unveränderbar. Denn wir waren zur falschen Zeit am falschen Ort, in den falschen Familie, im falschen Körper und schlicht nie richtig. Wir waren nie liebenswert und schon gar nicht wertvoll und der Ekel klebt an uns, wie zäher Schleim. Dabei ist besonders wichtig zu betonen, dass wir ekelhaft sind. Es fühlt sich so an, als wäre jede kleinste Faser mit Schlechtheit infiltriert. Die Zerissenheit nimm die Luft zum Atmen. Am Ende bleibt uns nur, die Nacht zu nutzen. Etwas Ruhe finden. Mitten im Sturm ohne Regenschirm, weil auch das seinen Platz braucht und gesehen werden will.

Herbsthadereien 🍂

Wir sitzen ins warme Bett gekuschelt und betrachten die Düsternis. Eigentlich hatten wir geglaubt, wir seien mitten in der Nacht wach geworden. Es ist kurz nach sechs. Wenn das Morgengrauen aussieht wie Finsternis, ist es wohl endgültig vorbei mit dem Sommer und der Herbst zieht ein. So gerne hätten wir die heißen Nächte dieses Jahr noch etwas behalten. In uns entwickelt sich mehr und mehr eine Herbstsperre. Während ich sonst oft den dunkleren Zeiten durchaus ihre eigene Art von Gemütlichkeit abgewinnen konnte, trauert mein Körper-Seelen-System nun dem Licht hinterher.

Weiterlesen

Übergangszeit

Mal wieder sitze ich in meinem Lieblingsgartencenter im Lieblingsgartencentercafé und hänge meinen Gedanken nach. Meine Balkonkästen brauchen neuen Pflanzenschmuck. Die Zeit dafür scheint denkbar ungünstig zu sein. Die Sommerblumen verlieren langsam ihre Pracht und die Herbst-/Winterpflanzen erinnern mich derzeit noch zu sehr an Schnee und Eis. Ich suche also nach der floralen Übergangsjacke für den Blumentopf. Übergangszeit – was soll das eigentlich sein!? Sie begegnet mir derzeit in so vielen Alltagslagen, das dieses so undefinierte Wort fast schon philosophisch von meinem Leben spricht.

Weiterlesen

Prozessorientierung vs. Zielorientierung in der Therapie

In den letzten Tagen haben wir uns mal wieder mit der grundsätzlichen Therapieausrichtung beschäftigt. Wir haben versucht mit uns in Kontakt zu kommen und hinzuspüren, was wir an dieser Stelle brauchen. Dabei ploppte auch die Frage auf, woran sich gute Therapie für uns derzeit orientieren muss. Große Unterschiede macht es für uns, ob prozessorientiert oder zielorientiert gearbeitet wird. Mit den Vor- und Nachteilen der jeweiligen Ausrichtung befasst sich nun dieser Artikel.

Weiterlesen

Die Ware Frau

Ich muss zugeben, ein Thema treibt uns derzeit mal wieder besonders um: Prostitution. Seit langem haben wir persönlich eine sehr strikte Meinung dazu. Für uns gibt’s da wenig zu diskutieren. Prostitution ist Gewalt. Wenn wir Prostitution legalisieren entscheiden wir uns als Gesellschaft dafür bestimmte Formen der Gewalt zu akzeptieren. Warum!? Ist Gewalt weniger Gewalt, nur weil Lust im Spiel ist!?

Weiterlesen

Überlebensrichtig

„Alles, was heute an dir „falsch“ ist, begann als Überlebensmechanismus in der Kindheit.“

Dr. Gabor Maté, kanadischer Mediziner und Spezialist für kindliche Entwicklung.