Triggerwarnungen

Immer wieder erreichen uns freundliche Nachfragen, ob wir nicht hin und wieder doch Triggerwarnungen setzen könnten. Die Bitte darum verstehen wir gut. Deshalb haben wir lange und sorgfältig darüber nachgedacht. Unser Ergebnis wollen wir euch hier mitteilen und unsere Entscheidung diesbezüglich transparent machen.

Auf unserem Blog gab es noch nie Triggerwarnungen und es wird auch in Zukunft in der Regel KEINERLEI Hinweise diesbezüglich geben.
Das hat verschiedene Gründe.

Ein sehr gewichtiger Punkt, war für uns, dass wir hier auf dem Blog das ausdrücken wollen, wonach uns eben gerade ist. Schreiben ist für uns der einzige Raum, bei dem wir nicht lange fragen müssen, ob unser Gegenüber erträgt, was wir zu sagen haben oder nicht. Wir können einfach sein. Hier wollen wir uns den Platz erhalten, einmal nicht auf das Befinden eines Anderen schauen zu müssen, sondern einfach nur unser Erleben in Worte kleiden zu dürfen. Im Alltag ist das so gut wie nie der Fall. Diese Freiheit lieben wir auf unserem Blog. Triggerhinweise empfinden wir persönlich diesbezüglich einschränkend. Deshalb bitten wir im Hinblick auf die möglichen Inhalte, um die Eigenverantwortlichkeit unserer Leser.

Zudem mögen wir dieses „Achtung, ein Trigger!“ selbst überhaupt nicht. Egal, ob in den folgenden Zeilen in einem Text für uns dann ein Trigger wäre oder nicht – allein der Hinweis macht Anspannung. Wenn mir jemand durch eine derartige Warnung sagt „Vorsicht! Hier wirst du mit deinem Trauma konfrontiert!“, bin ich garantiert drin. Kurz: Triggerwarnungen triggern. Das ist genau das, was eigentlich damit verhindert werden sollte. Besonders ärgerlich ist es, wenn es für uns gefühlt rein vom Text mit rosa Erdbeeren weiter gegangen wäre. Manchmal würde mich selbst die direkte Beschreibung von Gewalt weniger erinnern, als die Vorankündigung von Auslösern. Von anderen Betroffenen wissen wir, dass es ihnen ebenso ergeht.

Das führt direkt zum nächsten Punkt, der für uns gegen die Hinweise spricht. Trigger sind etwas so individuelles, dass es schwierig ist den Punkt zu finden, wo man damit anfängt und wo man aufhört. Wir haben natürlich auch darüber nachgedacht, wie es wäre, wenn wir eine Warnung vor detailliertere Gewaltschilderungen setzen. Aus oben genannten Gründen haben wir uns dagegen entschieden. Ab wann wäre eine Schilderung „detailliert“!?

Triggerwarnungen ordnen Menschen einer bestimmten Schublade zu. „Du bist traumatisiert. Das könnte zu viel für dich sein.“ Die Hinweise sollen andere Leute vor erneuten Verletzungen bewahren und ihr Schutzbedürfnis achten. Damit maße ich mir beim setzen aber automatisch an zu wissen, dass manche Leser an bestimmten Stellen geschützt werden müssen und nicht selbst auf sich achten können. Für so mündig halte ich sie aber. Ich will weder selbst ständig und von vornherein einer Gruppe Menschen zugeordnet werden, die „betroffen“ ist und ein Stück Vormund braucht, weil die Welt zu viel für sie sein könnte, noch möchte ich Anderen den Umstand, dass sie traumatisiert sind, mit den Warnungen unter die Nase reiben. Ich kann und will nicht darüber spekulieren, was für andere Betroffene gefährlich sein könnte. Das wissen sie selbst am Besten.

„Getriggert sein“ muss nicht unbedingt schlecht sein. Wenn ich etwa einen Artikel lese, bei dem eine Frau ihre Gewalterfahrungen beschreibt, kann es mir passieren, dass ich mich auch an meine Geschichte erinnere. Das tut unter Umständen zwar weh, aber es wäre nicht das erste Mal, dass ich darüber auch ein Stück von mir selbst begreifen kann. Der Grad zwischen Auslöser für Reflektion der eigenen Erfahrung und totalem Absturz ist mitunter schmal. Von Außen kann jedoch kaum jemand bewerten was ein Text letztlich beim Gegenüber bewirken mag.

Es kann wie beim Beitrag „Was ist Rituelle Gewalt?“ in Ausnahmefällen durchaus vorkommen, dass wir dem Leser zu guter Selbstfürsorge raten, weil wir das als stimmig empfinden. Darauf sollte man sich hier aber nicht verlassen. Grundsätzlich appellieren wir an die Selbstverantwortung des Einzelnen. Wir setzen unsere Grenzen selbst und erwarten auch, dass andere das für sich tun.

„Sofies viele Welten“ ist ein Blog, der von uns als vielfältiger Mensch geschrieben wird. Dazu gehört auch, dass wir von ritueller und organisierter Gewalt betroffen waren. Die Beitragsthemen sind so bunt wie unser Alltag. Hin und wieder gehören dazu auch mehr oder weniger detaillierte Schilderungen von Gewalt und unserem zugehörigen Erleben.

Passt also beim Lesen bitte selbst gut auf euch auf!

Mit diesem Post ändert sich hier übrigens auf dem Blog null Komma gar nichts. Alles bleibt wie bisher. Es war uns nur wichtig unseren Standpunkt diesbezüglich klar auszusprechen. 😉

41 Kommentare zu “Triggerwarnungen

  1. Dein/euer Standpunkt ist für mich durchaus einleuchtend. Im eigenen privaten Blog wird das *Trigger* im Titel gesetzt, weil diese Beiträge hier selbst massiv triggern. Da gibt es nicht um die anderen sondern das eigene und somit auch darum den ein oder anderen von Innen dazu zu bringen, den Beitrag besser nicht zu lesen. In Bezug auf andere finde ich es so wie du/ihr sagt schwierig. Was die den einem ein Trigger ist, ist für den anderen eben Erdbeer-Sahne-Torte… Und umgekehrt.

    Geht weiter den Blogweg der für dich/euch stimmig ist.

  2. Find ich absolut nachvollziehbar und korrekt. Wir selbst verwenden diesen Hinweis auch nur selten. Ich meine: Schließlich ist man auf einem Blog von einem „Betroffenen“. Was also erwartet man? Rosa Erdbeeren wie du so schön sagst? Regenbögen? Schmetterlinge? Nein. Wenn man sich auf unseren Blogs herumtreibt muss man mit heftigen und ehrlichen Inhalten rechnen. That‘s it. Nicht mehr nicht weniger.
    Ich finde unvorhergesehenes da deutlich schlimmer. Und so einen Blog zu besuchen ist kein unvorhersehbarer Trigger.
    Liebe Grüße

    • Huhu,
      danke dir für deine Sichtweise.

      Für manche scheint es mit den Hinweisen einfacher zu gehen. Das kann ich an sich schon nachvollziehen. Gerade wenn auf einem Blog auch andere Themen in Beiträgen verarbeitet werden. Aber ja, in unserem Fall, muss man einfach selber ein bisschen schauen, was für sich zu lesen geht.

      Liebe Grüße,
      Sofie ☀️😊😎

  3. Danke für diese Erläuterungen…gehe ich ganz d’accord. Du sprichst aus und beantwortest die Fragen, die in meinem Kopf schon länger herumspukten (z.Bsp. was triggert andere?). Es ist schon vorgekommen, dass meine hier (selbst geschriebenen) hereingesetzten Geschichten jemanden getriggert haben, was ich nicht verstanden habe. Denn im Grunde sind es vom Text her harmlose Geschichten (außer vielleicht die gesellschaftskritischen, die sich an der Wirklichkeit orientieren und es ist wahr, die Welt wie sie ist kann ganz schön triggern) die nur dann vielleicht triggern, wenn sie im Leser etwas eigenes anrühren, die anderen lesen einfach drüber und finden die Geschichte vielleicht spannend, langweilig, süß, beeindruckend, ….oder sonstwie.

    • Hallo ihr Lieben,
      Ich danke dir für deine liebe Rückmeldung! 😊Also ich glaube, das ist ganz schwierig bis unmöglich das zu wissen. Wir empfinden deine Geschichten immer als sehr schön und eher nicht triggernd. Darüber musst du dir auch keinen Kopf machen, finden wir.
      Im Grunde könnte man über das schönste Erlebnis schreiben und es wäre immer noch möglich, dass eine andere Person, das als ganz schrecklich empfinden würde, einfach weil sie andere Erfahrungen hat…

      Liebe Grüße und schöne Sonnenstunden,
      Sofie ❤️☀️🦋

      • ….. liebe Sophie, so geht es mir mitunter tatsächlich, dass ich auf „feelgood“ Blogs (ich meine das ganz neutral, also Blogs die Reisen, schöne Erlebnisse etc. beschrieben) lese und getriggert werde und bei Triggerwarnungen eben nicht.
        Alles Liebe 😊🍀🏵️
        „Benita“

  4. Ihr seid sehr kluge, von einem wundervollen Selbstwertgefühl für jeden einzelnen von Euch „ausgerüstete“ Schmetterlinge. So sehr ich ahne, dass es ein weiter und schwerer Weg bis zu dem, was ihr eben jetzt (so wie ich gerade beschrieben habe) seid, gewesen ist, so sehr weiß ich, dass mir das eine Riesenfreude schenkt!

    Macht weiter so. Schreibt, wie es für Euch gut, wichtig und richtig ist!

    Es ist NICHT wichtig, ob das (z.B.) für mich mitunter schwer ist – weil ich in Euch ROSA ERDBEEREN gefunden habe!

    Liebste Grüße und Dankeschön für JEDEN Eintrag hier – JEDER ist mir Bereicherung und Bestätigung meiner nach und nach erworbenen Einstellung zu Menschen wie Euch und dem, was sie erlebt haben. 🙂 ❤

    • Vielen Dank für deinen ermunternden und liebevollen Kommentar! 😊

      Wir werden auf jeden Fall weiter schreiben und hin und wieder kommen bestimmt auch die Süßigkeiten des Lebens in den Beiträgen nicht zu kurz! 😉

      Ganz herzliche Grüße und einen schönen Samstag! ☀️🦋❤️

  5. Eine wunderbare Erläuterung, liebe Sofie, die ich völlig nachvollziehen und teilen kann. 💚 Auch das triggern von Triggerwarnungen kenne ich. Dass sie sofort Angst erzeugen. Ich bin diesbezüglich sehr ambivalent. Habe schon Beiträge mit Triggerwarnungen in labilen Stimmungslagen nicht gelesen und Tage später als ich ihn stabiler las den Trigger nicht gefunden. Es gab ihn für mich in jenem Text auf Blog xy gerade nicht. Ich denke, dass ich selten Triggerwarnungen setze. Meist, wenn mich mein eigener Text schon beim Schreiben enorm belastet. Aber es ist, wie du schreibst mir absehbar, was andere triggern könnte.

    Herzliche Grüße euch 🌞
    „Benita“

    • Vielen lieben Dank! 😊

      Ich finde es völlig in Ordnung, wenn andere Triggerwarnungen setzen, weil es für sie stimmig ist. Im Grunde muss es zunächst einfach für den Autor des Blogs passend sein.
      Was du mit den nicht auffindbaren Triggern beschreibst, kenne ich gut. Das ist manchmal fast ein bisschen zum schmunzeln, wenn wir sonst auf vieles reagieren, aber ausgerechnet bei der größten Warnung nix finden. 🙂

      Herzliche Grüße zurück und herrliche Sonnenstunden!
      ☀️😎🦋

  6. Besonders zu erwähnen, dass ihr hier einen Blog habt, bei dem ihr nicht darüber nachdenken müßt, was ihr wem zumunten könnt, finde ich als besonders wichtig! Auch die Feststellung, dass jeder für sich selbst verantwortlich, also mündig ist, kann ich nur zu 100% unterschreiben. In diese Sinne danke ich für jede offene und persönliche Beschreibung eurer Erfahrungen und Gefühle. Auch wenn’s für uns Unos schwer vorzustellen ist, nur durch die ganz ehrliche Schilderung bekommen wir einen umfassenderen Blick für das ganze Drama. Ihr habt soooo viel Grausames er/überlebt und eine weichgespülte Darstellung finde ich einfach nicht angemessen, bezogen auf das Da-Sein Dürfen eures Erlebens.
    Und klar, wer sich auf diesen Seiten „rumtreibt“ sollte mich Erschreckendem rechnen.
    Ganzu liebe Grüße,
    Cepunkt 🙂

    • Huhu,
      vielen lieben Dank für deine emphatische und ehrliche Rückmeldung! 😊

      Wir sind froh, dass unsere Entscheidung gut nachvollziehbar ist.
      Außerdem finden wir es wertvoll, von dir als „Uno“ zu hören, dass du die offene Schilderung bevorzugst und dich das Erschreckende nicht verschreckt. 😉

      Ganz liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
      Sofie und die bunten Schmetterlinge 😊☀️🦋

      • Hallo Sofie und ihr bunten Schmetterling,
        danke schön! Tja, ich bin da etwas ambivalent. Auch A/Part hatte ich anfangs geschrieben, dass ich Angst habe irgendwie „sensationslüstern“ oder so rüber zu kommen, wenn ich sage, ich möchte gerne erfahren, was passiert ist. Das ist wirklich ein komischer Prozess bei mir als Uno. Als ich begann mich mit der „Materie“ auseinanderzusetzen, musste ich schon immer wieder die Lektüre beiseite legen, das Video schließen, da es einfach für uns so behütete Unos unglaublich ist und so unsagbar schrecklich. Aber das ist ja leider Realität!!!! Und die Augen vor der Realität zu verschließen bringt ja auch keinen weiter. Mit der Zeit wurde meine Fähigkeit eure Wahrheiten zu verdauen immer ein wenig besser, konnte mich irgendwie ausreichend abgrenzen. Und der Gedanke, dass ihr mit Dingen im Kopf rumlauft, für die es keinen „Empfänger“ gibt, der das mal aushält und dadurch irgendwie ein bisschen zum Mitwisser wird und von dem ihr dann mal annehmen könnt, dass das „es tut uns sooo leid“ keine leere Floskel ist, sondern ein tief empfundenes Mitgefühl, ohne auch nur ansatzweise das tatsächliche Gefühl zu teilen, dieser Gedanke ist nur traurig!
        Ihr habt es euch mehr als verdient euer Leid öffentlich zu machen!!!!
        Auch euch noch einen schönen Sonntag!

      • Huhu, 😎
        wir haben es gar nicht als „sensationslüstern“ empfunden. Das würden wir dir auch zurückmelden, bzw. würden wir uns trauen zu sagen, wenn wir über etwas nicht sprechen wollen. Insofern finden wir nachfragen immer gut und legitim. Einige Dinge sind für uns ja vielleicht auch manchmal so normal, dass wir sonst gar nicht auf die Idee kommen würden sie genauer zu erklären. Also bei Fragen einfach raus damit. 😉

        Liebe Grüße und heitere Sonntagssonnenstunden! ☀️🦋😊

  7. Hmm, ich habe da Triggerwarnung gesetzt, wo es für mich schwerig war. Aber ich empfinde bei anderen Trigger oft nicht triggernd und umgekehrt ebenfalls.
    Was ich mich gerade frage ist, ob es (also für unseren Blog) okay ist über alles zu schreiben. Wir haben ständig Angst andere würden es zu heftig finden, also lassen wir es meist bleiben. Das macht viele Lücken im Blog, weil es oft so heftig zu geht bei uns. Gibt es Worte, die man nicht nutzen sollte? Dinge, die man „verharmlost“ in Worte fassen muss?
    Wir wollen auch keine perversen anziehen, die sich wo möglich an dem was wir schreiben auch noch aufgeilen. Es brennt viel in uns, es will raus, es gibt die Frage ob es anderen auch so geht, aber wir trauen uns nicht so heftiges zu schreiben. Dann ist da auch die Angst man wird uns verachten, oder denken, wir sind viel zu negativ, oder wir verletzen durch die Trigger…
    Liebe Grüße

    • Hallo Vergißmeinnicht….,
      seit Sofie diesen Beitrag zu „Trigger“ eingestellt hat – habe ich mir auch so meine Gedanken gemacht. Denn mir ging es ähnlich wie einigen hier, dass die Triggerwarnungen, die in Blogs zu lesen sind – mich oft gar nicht triggerten und Texte, die ich reingab, plötzlich jemanden triggerten, was ich gar nicht nachvollziehbar fand.
      Und auch das Argument, das Du da erwähnst, von der Gefahr dass sich „Perverse“ evtl. angezogen fühlen könnten, ging mir des öfteren durch den Kopf. Deshalb habe ich für mich beschlossen, nicht so ins Detail zu gehen bezügl. Themen, die solche Folgen nach sich ziehen könnten. Ich denke, das ist auch gar nicht nötig – man kann auch über solche Geschehnisse von einer „Art Metaebene“ aus berichten, die die davon betroffen sind verstehen das auch so – denke ich.
      Im übrigen gibt es ja noch die Möglichkeit der „Geschützten Beiträge“, so wie das einige hier machen, wenn es um solche Themen geht oder auch um Themen, die einem schützenswert erscheinen.
      Und mir ist noch dazu eingefallen, dass das Schreiben solcher Inhalte – zwar momentan vielleicht Erleichterung bringen, aber beim wiederlesen dann mich selber triggern und das mag einen Desensibilisierungscharakter haben, aber zu Verstehen, was damals geschah ist mir persönlich das weitaus wichtiger und bringt dann ja auch eine bessere Integrationsmöglichkeit.
      Übrigens – Ich habe jedes Jahr in meinem Garten viele Vergissmeinnichtsblumen – und deren „Leben danach“ ist, dass sie viele Samen entwickeln und ich diese Samen überall verstreue und so an der Verbreitung dieser wunderschönen Blumen helfe. Eine schöne Metapher nicht? 😉

      • Oh ist das ein schönes Bild! Das gefällt mir sehr gut! 😍

        Ansonsten stimme ich dir voll zu. Meistens reicht die „Metaebene“ völlig und geschützte Beiträge sind natürlich auch eine tolle Möglichkeit.

        Ganz liebe Grüße und viele bunte Blumen am Wegesrand dieser neuen Woche! 🌷🌼🌻☀️😊🦋😉

      • Ehrlich gesagt zeigt die das Handy an. Sonst wüsste ich auch nicht, woher man die Kriegen kann. Hab das schon so oft am PC probiert und komm leider nicht dahinter… 🤔

      • Ja, das ist eine schöne Metapher 😍.Zu verstehen ist mir auch sehr wichtig. Leider tue ich es ja nicht immer, weshalb ich drüber schreibe um zu verarbeiten und vielleicht auch mal ein Tipp zu bekommen von anderen. Wir (also die Viele Blog Schreiber) schreiben über manche Themen so gar nicht, weil es vermütlich zu stark Scham besetzt ist. Aber leider sind es genau diese „geheimen, intimen“ Themen sehr wichtig fürs verstehen und verarbeiten. Bei Sofie habe ich in der Tat einen solchen Beitrag entdeckt und das half mir so sehr mich nicht so fertig zu machen und besser zu verstehen. Das fand ich so mutig, aber die meisten anderen inklusive mich trauen sich das entweder nicht, oder vielleicht haben sie das gar nicht und ich bin doch ne Ausnahme… Ich finde gerade diesen Austausch so dermaßen hilfreich für mich. Leider triggert so etwas unter Umständen eben heftig…
        Ich red gerade auch um den heißen Brei herum und weiß nicht, ob du weiß an was ich denke…
        Mit den geschützten Beiträgen ist aber ne gute Idee, aber wie gibt man denn die Passworte weiter? Ich hab da so was von keine Ahnung von WordPress…

      • Liebes Vergißmeinnicht…..
        Ja, ich weiß schon was Du meinst ….Du wir sind hier doch Viele und haben bestimmt alle schlimme Erfahrungen im sex. Bereichen gemacht – ohne verschiedenste Missbräuche (im Gewaltkontext und seeelischen, körperlichen und sex. Bereich wird man nicht viele) und natürlich tauchen auch in der Aufarbeitung diese Themen wieder auf. Wenn Du einen geschützen Bereich auf Deiner Webseite einrichtest – mit einem Passwort, dann hast Du Kontrolle darüber an wem Du es vergibst. Du bist ja auch schon länger hier unterwegs oder und kennst einige.
        Du schreibst einfach einen Beitrag, dass Du für manche Texte einen Schutz eingerichtet hast und vielleicht erklärst Du noch warum und teilst mit, dass die Leute, die hier mitlesen ein Passwort anfordern können. Schau Dir das bei mir oder anderen an. Entweder über die Kontaktseite oder die emailadresse.
        Also ich lese Deine Beiträge – trotzdem schreibe nicht zu detailliert darüber, denn vielleicht verkraften das einige tatsächlich nicht und dann wirst Du nicht gelesen und kriegst keine Kommentare und der Austausch findet nicht statt.
        Nur Mut – schließlich ist es Dein Blog und Du kannst alles schreiben was Dir weiterhilft.
        Alles Liebe Melinas

      • Hallo Meinas,
        danke euch. Dann machen wir das so, demnächst.
        Mit dem fehlenden Austausch beschreibt ihr genau unsere Sorge. Nicht unbedingt meine, aber die von der kleinen, die sich so ungeliebt fühlt. Fehlen Reaktionen bedeutet es für sie unbeachtet werden = gehasst werden, unwichtig und das allerletzte…
        Ja klar ist es unser Blog, aber dieser lebt vom Austausch. Liest ihn keiner, schreibe ich doch lieber im Tagebuch, das macht weniger Arbeit und man muss eben nicht über die Ausdrucksweise nachdenken.
        Wir danken euch sehr und senden herzliche Grüße

    • Hallo ihr lieben Vergissmeinnicht, 🙂
      am wenigsten würden wir uns persönlich darüber Gedanken machen, ob es jemand anderen triggern könnte. Ich finde, dass man den Lesern durchaus zumuten kann, selbst für sich zu entscheiden, was sie lesen können und was nicht. Es ist ja nicht so, dass du bislang nur darüber geschrieben hast, wie man bunte Faltgirlanden bastelt oder einen Garten anlegt und plötzlich kommt ein heftiges Thema.

      Ansonsten gilt für uns der Grundsatz, es ist alles erlaubt, was sich für uns stimmig anfühlt. Insofern machen wir das nicht an bestimmten Worten fest und verharmlosen auch nicht, wenn es uns wichtig ist, etwas einfach derbe auszudrücken, weil es so war.

      Den Punkt mit den Perversen kann ich nachvollziehen. Ganz ausschließen kann man das vermutlich nie. Es sei denn, man schreibt gar nicht darüber. Die Gefahr ist wahrscheinlich aber dann am größten, wenn du Erinnerungen ganz im Detail beschreibst. Wir handhaben das hier nach folgendem Prinzip: So viel Information wie nötig, dass der Leser versteht, worum es uns geht und so wenig wie möglich darüber hinaus. Wenn wir beispielsweise wollen, dass von völlig unbeteiligten Personen verstanden werden kann, was bei einem bestimmten Ritual abgeht, beschreiben wir das auch plastisch mit seinen Inhalten und Abläufen. Dabei bemühen wir uns um eine gewisse Sachlichkeit. Was wir uns dabei meist sparen, sind Phrasen, die eine „sinnliche“ Komponente haben. Sinnlich im Sinne von „die Sinne besonders ansprechend“. Denn darum geht es meist den Leuten, die sich daran aufgeilen wollen. Es macht einen Unterschied, ob ich schreibe „Das Kind wird gestreichelt“ oder in allen Einzelheiten erzähle, wie genau das geschieht und was das bei den Beteiligten auslöst. Es gibt Momente, da ist mir das wichtig. Dann muss ich aber auch damit leben, wenn das ein oder andere Arschloch mitlesen sollte. Oder ich halte es einfach für mich auf Papier fest, weil es mir für das Internet zu unsicher ist.

      Dass man dich für deine Schilderungen verachtet, kann ich mir persönlich nicht vorstellen. Du erzählst von deinem Leben. Verachtung wäre verdrehte Welt.

      Liebe Grüße,
      Sofie ☀️🦋😉

      • Meine Welt ist ja auch irgendwie verdreht…
        Aber weißt du, genau das meine ich, du achtest eben auf die Worte, damit diese Arschlöcher sich nicht erfreuen können. Im Tagebuch brauch ich nicht zu überlegen wie ich etwas ausdrücke, ich schreibe wie es ist, und kann es später nicht mal selbst lesen, weil es triggert oder andere in uns zu Selbstverletzung bewegt. Ich kann das leider auch nicht so toll wie du. Deine Beiträge sind so mega toll, du kannst mit so tollen Worten so fiese Erlebnisse beschreiben, so dass man wirklich alles versteht und nicht gleich heulend in der Ecke liegt. Das würde ich wirklich auch gerne können.
        Doppelt zu schreiben, also Papier und Blog ist meist nicht drin bei uns, selbst wenn ich sehe, da ist was so tolles bei raus gekommen, das sollten alle lesen, geht es meist mit den vielen anderen unerledigten Dingen unter…
        Im Prinzip kann ich sicher alles schreiben was mir am Herzen liegt, aber ich will die wenigen die lesen echt nicht verscheuchen. Das macht hier drin auch echte Angst und sonst was alles bei den Kleinen. Echt diese Verlassen weden, sterben Gefühle…
        Danke für deine liebe Antwort ❤

      • Hmm, vielleicht magst du auf deinem Blog einfach mal offen in die Leserrunde fragen, wen das stören würde, wenn du einfach schreibst, wonach dir ist? Also uns würde das überhaupt nicht stören und wir würden auch ganz sicher weiter lesen. 😉
        Vielleicht ist das sogar ein bisschen so, wie hier mit den Triggerwarnungen. Ich hab auch gehofft, dass mir das niemand krumm nimmt. Letztlich waren die Rückmeldungen bislang nur positiv.

        Also wir finden, dass ihr das mit dem Schreiben ganz toll hinbekommt! Es mag vielleicht anders sein, als bei uns, aber das ist ja auch gut so. Die Emotionen kommen rüber und das ist das wichtige.

        Doppelt schreiben könnte ich oft auch nicht. Wenn ich mir nicht sicher bin schreib ich’s als Word-Datei und kopiere es bei Bedarf in den Blog.

        Ganz liebe Grüße,
        Sofie ❤️☀️🦋

      • Ja in die Runde fragen ist sicher ne Möglichkeit.
        Word-Dateien haben wir schon einige und auch im Blog sind welche unveröffentlicht gespeichert. Da steig ich zum Teil nicht mehr durch, denn da sind nicht mal Titel. Wir machen alles am Tablet und deshalb sind auch noch in anderen APPs geschriebene Beiträge, fertige und lediglich begonnene… Chaos überall, wie in uns selbst 😉
        Freut mich sehr, dass ihr unser Schreiben gut findet. Mein Mann hat gesagt (er liest allerdings ehrer selten was) es sind viele Fehler drin. Passiert, wenn andere mit vorne sind ganz viel. Aber auch ich mach welche, ist nicht meine Muttersprache, aber die hab ich auch vergessen…
        Danke euch und alles Liebe❤

      • hier nochmal aus der Uno Sicht 🙂
        Ich glaube, diese Gedanken des Verachtet werdens, des sich den anderen nicht zumuten könnens etc. resultiert v.a. aus der Indoktrinierung, die euch durch die Täter verpasst wurde. Euch hat man eingeimpft, bzw. glauben lassen, dass ihr nichts wert seid und die Schuld tragt und so weiter.
        Das darf einfach nicht sein! Ich wünsche mir sehr, dass ihr euch alle frei ausdrückt und schreibt, frei von der Leber weg, was raus will. Und zwar jede/r wie es für sie/ihn passt und sich stimmig anfühlt.
        Auf uns darf m.E. keine Rücksicht genommen werden. Hier trennt sich dann die Spreu vom Weizen. Wenn wir was abstoßend finden, dann seid ja nicht IHR das, sondern das was vorgefallen ist, die Perversen, die Monster.
        Und damit zu dem Problem die Perversen auf euren Seiten zu haben. Hmmm. Die finden sicher immer was zum Aufgeilen – kann man vermutlich nicht vermeiden. Allerdings müssen die schon eine ganze Menge für sich Belangloses lesen, bevor sie an Schilderungen geraten, die sie anturnen. Ist ja schließlich kein Hinweis da: hier lesen … es wird jetzt explizit! (insofern könnten Triggerwarnungen selbst eher so Schweine anziehen, da sie dann ja hoffen können, jetzt was „Tolles“ zu lesen zu bekommen) Aber deswegen auf ein eigenes Mitteilungsrecht zu verzichten? Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Bei der Darstellung denke ich z.B. an Bücher, die es zu dem Thema gibt, öffentlich verlegt (z.b. Vater unser…) … die nehmen auch nicht so wirklich ein Blatt vor den Mund. Also, wieso ihr? Drastische Wortwahl finde ich völlig ok. Irgendwie angemessen. Gibt’s in anderen Bereichen auch. Einfach authentisch bleiben und auf die eigenen Bedürfnisse achten! Wir sind da nicht so wichtig 🙂
        Sonnige Frühlingsgrüße,
        CePunkt

      • Hallo CePunkt,
        das mit dem sich als nichts wert und schuld fühlen ist sicher richtig, lässt sich aber bei uns nicht mal eben abstellen nur weil man gerne würde.
        Aber ansonsten nimmt deine Antwort etwas von unser Befürchtungen weg (momentan! ), dafür auf jeden Fall danke.
        Das Buch haben wir nicht gelesen, vermutlich auch gut so, dann zweifelt keiner wenn wir Erinnerungen kriegen, dass es irgendwo gelesen wurde und nicht uns gehört.
        Liebe Grüße

  8. Liebe Vergissmeinnichtdaslebendanach,
    ja, so war das auch nicht gemeint. Es ist mehr so meine Wut. Dass man diese Gefühle nicht abstellen kann ist völlig klar – geht ja auch bei unsereins nicht. Ha, sonst würden mir meine Erfahrungen aus der Vergangenheit, die nun wirklich nicht dramatisch waren, nicht immer noch nachlaufen und ich finde es gibt kaum etwas schwierigeres als sein Selbstwertgefühl aufzupolieren und sich wertig zu fühlen.
    Und mit dem Buch hatte ich das gar nicht auf dem Schirm! Futter für die inneren Zweifler? Danke für die Erklärung / Info 🙂
    Liebe Grüße

    • Hallo CePunkt, 🙂
      wenn sie dir immer noch nachlaufen, war es für dich dramatisch und hatte eine einschneidende Bedeutung für dein Leben. Was die Gesellschaft für gewöhnlich darüber denken mag, steht auf einem anderen Blatt. Für dich waren es bedeutsame Einschnitte und irgendein Teil daran scheint noch nicht verstoffwechselt zu sein. Vielleicht auch, weil er insgeheim darauf wartet den Wert beigemessen zu bekommen, den er alleine für dich hat und dass du dich selbst mit deinen Emotionen wertschätzt. Unter Umständen könnte das Erlebnis dann zur Ruhe kommen, wenn es einmal so „dramatisch“ sein dürfte, wie es sich für DICH anfühlt…

      Manchmal können unbedachte Worte von einem lieben Menschen viel tiefer treffen, als Schläge und dabei muss das Gesagte noch nicht einmal böse gemeint sein…

      Ganz liebe Grüße,
      Sofie 😊

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